Geldpolitik der EZB: Was passiert im Herbst?

Die Wirtschaftskrisen der Vergangenheit

Bild Die Wirtschaftskrise der 1929 Jahre führte zu einer globalen wirtschaftlichen Depression die fast zehn Jahre anhielt. Rückblickend betrachtet konnte man aus dieser Wirtschaftskrise jedoch Einiges lernen. So hat sich gezeigt, dass eine restriktive Geldpolitik zu diesem Zeitpunkt genau der falsche Ansatzpunkt war und sich die Krise damit noch weiter verstärkt hat. Denn es wir nicht genügend Liquidität am Markt vorhanden, um aus diesem wirtschaftlichen Abschwung wieder herauszukommen.

Als die Finanzkrise 2008 über die USA und Europa hereinbrach, setzten die wirtschaftspolitischen Verantwortungsträger auf beiden Seiten des Atlantiks im Großen und Ganzen die richtigen Maßnahmen. Die zuständigen Zentralbanken stellten in enormem Ausmaß Liquidität bereit, um den totalen Zusammenbruch des Banken- und Finanzsystems zu verhindern. Weiters erkannten die handelnden Personen sowohl in den USA als auch in Europa die Notwendigkeit, über defizitfinanzierte Konjunkturprogramme auf koordinierte Weise den Wirtschaftskreislauf wieder in Gang zu bringen.

 

Allerdings hat sich die Wirtschaft in der Eurozone danach viel langsamer erholt als in den USA. Die Gründe für diese Entwicklung können mittels drei Faktoren beschrieben werden:

  • Erstens folgte in der Eurozone nach der Wirtschaftskrise auch noch eine Staatsschuldenkrise, die vor allem Länder wie Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien in bedrohliche Finanzierungsschwierigkeiten trieb.
  • Weiters erhöhte die EZB im Jahr 2011 die Leitzinsen, obwohl die wirtschaftliche Erholung schwach und unvollständig war.
  • Drittens begann die EZB erst Anfang 2015 mit den QE-Programmen. Generell setzte die Fed damals deutlich aggressivere Maßnahmen als die EZB um die wirtschaftliche Entwicklung zu untersützen.

Mit einer zeitlichen Verzögerung verzeichnet nun jedoch auch die Eurozone erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung. Folglich ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem Umdenken in Bezug auf die aktuelle Geldpolitik der EZB kommt.
 

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Draghi spielt wegen Euro-Aufwertung auf Zeit

Der Präsident der EZB, Mario Draghi, äußerte sich im Rahmen der letzten Pressekonferenz am Anfang September 2017 äußerst vorsichtig zur weiteren geldpolitischen Entwicklung in der Eurozone. Auch angesichts der kräftigen Aufwertung des Euro in den letzten Monaten kam es zu keiner Weichenstellung in Richtung eines weniger expansiveren Kurses der Geldpolitik. Die Währungshüter ließen vielmehr alle Türen offen, die Anleihenkäufe weiter auszuweiten. Der Euro hat seit Jahresbeginn um mehr als 14 % zugelegt, dadurch verteuerten sich die Produkte aus dem Währungsraum auf dem Weltmarkt, gleichzeitig verbilligten sich die Importe, was wiederum die Inflationsentwicklung bremst. Somit wird es für die EZB noch schwerer, ihr angestrebtes Inflationsziel von knapp 2 % zu erreichen. Im August lag die Inflation bei 1,5 %, die Kernrate bei 1,2 %. Draghi meint diesbezüglich, dass „die jüngsten Schwankungen des Wechselkurses eine Quelle der Unsicherheit sind und dass die EZB die Wechselkursentwicklung weiter im Blick halten werde“.

Möglicher Fahrplan für die weitere Geldpolitik der EZB

In Hinblick auf den Verlauf der aktuellen Geldpolitik meint Draghi, dass „ein substanzielles Ausmaß an geldpolitischer Unterstützung weiterhin nötig sei“. Da die EZB im Herbst ihre Instrumente auf den Prüfstand stellen will, wird vermutlich der Großteil der Entscheidungen im Herbst getroffen, wobei Draghi betonte, dass die EZB diese Entscheidung auch auf die Sitzung im Dezember verschieben könnte. Es wurde bereits über die Dauer der Anleihenkäufe und den monatlichen Umfang gesprochen, allerdings befindet sich diese Debatte noch in einem sehr frühen Stadium. Die Anleihenkäufen von aktuell 60 Milliarden Euro laufen noch bis zum Jahresende. Bis dahin werden sie ein Volumen von 2,28 Billionen Euro erreicht haben. Da sich die Wirtschaftserholung im Euroraum immer weiter verstärkt, gehen viele Analysten davon aus, dass die Notenbank beschließen wird, die Transaktionen im Jänner schrittweise herzunterzufahren. Allerdings werden sie sich dabei eine erneute Ausweitung des Programms offen halten, falls etwa die Inflation hinter ihren Erwartungen zurückbleibt, weil eine anhaltende Aufwertung des Euro als eine zu starke Preisbremse wirkt.
 


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