Geldbörse
Die Inflation klopft an

Jahrelang war sie in vielen Ländern quer über den Globus viel zu niedrig. Jetzt ist sie wieder da: die Inflation.

Inflation - gekommen um zu bleiben?

Nur eine Frage der Statistik

Die anhaltenden niedrigen Inflationsraten der letzten Jahre wurden speziell in Europa einerseits mit der vergleichsweise geringen Konjunkturdynamik, Anpassungsprozessen bei Produktivität und Löhnen in den südlichen Eurostaaten und preisdämpfenden Effekten der Digitalisierung erklärt, andererseits musste regelmäßig die Statistik als Erklärung herhalten: So dämpften die Ölpreise zeitweise überproportional, Basiseffekte kamen zum Tragen und inhärente Messprobleme wie die unzureichende Berücksichtigung von Wohneigentum oder Qualitätsverbesserungen. Seit Frühsommer bis zum Winter stieg die Verbraucherpreisinflation in vielen Ländern auf lange nicht gesehene Raten (Novemberwerte Österreich: 4,1 % Deutschland: 6,0 %, Eurozone: 4,9 %, USA: 6,2 %) und wieder muss die Statistik als Argument herhalten: Es sei der Basiseffekt, der die Inflation temporär über die Zielmarken der Zentralbanken treibe, nachdem Corona-Lockdowns im Vorjahr die Preisentwicklung gedämpft hielten.

Knappe Ressourcen?

Selbstverständlich können die statistischen Effekte nur einen Teil der Entwicklungen erklären. Ein Blick auf die Preise der vorgelagerten Produktionsstufen (Rohstoffe, Vorleistungen, Bau ...) macht offensichtlich, dass Erzeuger Teuerungen durch Verknappung von Rohstoffen und (immer noch, oder erneut krisenbedingte) Probleme in Lieferketten auf die Verbraucher überwälzen (müssen). Die Dynamik bei diesen Preisvorlaufindikatoren ist weiter hoch, es dürfte noch ein bisschen dauern, bis sich die Entwicklung diesbezüglich normalisiert.

Eine Prise Willkür?

Böse Zungen unterstellen den Notenbanken, den nach den hochdotierten Coronahilfspaketen noch höher verschuldeten Staaten mit gedulteter Inflation unter die Arme zu greifen. Doch Vorsicht mit vorschnellen Urteilen: Dies wäre nur der Fall, wenn es sich tatsächlich um einen nachhaltigen mittel- bis längerfristigen Anstieg der Inflationsrate über die kommunizierte Zielrate handeln würde. Die Frage ist also: Was geht, was bleibt?

Was geht, was bleibt?

Tatsächlich könnte es sein, dass man sich auf etwas höhere Inflationsraten als in den letzten 10 Jahren einstellen muss, denn mehrere Punkte sprechen für eine längerfristig höhere Preisdynamik: Infolge der schrumpfenden Erwerbsbevölkerung könnten Fachkräfte als "knappe Ressource" ein Thema werden. Aktuell zeichnet sich aber noch keine Lohn-/Preisspirale ab. In vielen Ländern ist die Unterbeschäftigung coronabedingt noch hoch, die Lohnentwicklung dementsprechend gedämpft. Mittelfristig dürfte sich auch das Thema Klimawandel / Energiewende in der Preisentwicklung niederschlagen. Lenkungssteuern auf klimakritisches Verhalten/ Stoffe, CO2-Bepreisung, die Entwicklung von Strom-/ Transport-/ Logistikkosten, all dies spielt hier mit hinein. Dazu kommt, dass die größten komparativen Vorteile der Globalisierung womöglich schon verbucht wurden und die während der Coronakrise festgestellten Nachteile internationaler Lieferketten Trends zu Reshoring, weniger Just-in-Time und dergleichen auslösten, was mit höheren Investitions- und Inputkosten verbunden wäre. Dies alles bedeutet jedoch keinesfalls, dass wir auf hyperinflationäre Perioden zusteuern, die historisch gesehen ausschließlich in verheerenden Krisenzeiten (Kriege und dgl.) auftraten. Ganz im Gegenteil: Vergessen wir nicht, dass nicht die deutliche Unterschreitung des 2 % Inflationsziels Sinnbild einer effizienten Geldpolitik ist, sondern eben die Erreichung des (seit Juli 2021) symmetrisch definierten EZB-Ziels der 2 %. Eine etwas höhere Rate als in den letzten 10 Jahren würde dementsprechend nicht schaden, denn die Geschichte zeigt, dass man tendenziell mit Teuerungsraten zwischen 2 und 3 % ganz gut fuhr, bringt es doch ein bisschen Dynamik ins System und vergrößert den Handlungsspielraum der Wirtschaftspolitik in allen Facetten (Löhne, Zinsen, ..).

Österreich am oberen Ende

Schon länger liegt die hiesige Inflationsrate tendenziell über dem Schnitt der Eurozone. In den ersten Jahren nach der Finanz- und Staatsschuldenkrise lag das daran, dass der Schnitt der Eurozonen-Inflation durch die Lohn-/Preisanpassungen in den PIGS-Staaten nach unten gezogen wurde, während Österreich zu den wirtschaftlich guten Performern - mit stärkerem Wachstum und eben auch höherer Inflation - gehörte. In den letzten Jahren hingegen kommt immer mehr die kleinräumigere Wirtschaft Österreichs zu tragen, was sich unter anderem in höherer Preisdynamik bei Dienstleistungen zeigt. Alles weitere gilt wie oben. Auch Österreich entzieht sich den allgemeinen Trends nicht, das ist gut und zeugt von einer innovativen, international gefestigten und lebendigen Wirtschaft. Sorgen vor einer schädlich hohen Inflation sind nicht angebracht, auch wenn österreichspezifische Sondereffekte (Auslaufen des vergünstigten USt-Tarifs für Gastro&Hotellerie sowie CO2-Steuer) das Inflationsdifferenzial zur Eurozone 2022 nochmals weiter aufgehen lassen dürften.

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13.12.2021 - Märkte