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Großbritannien schielt wieder Richtung EU - ein KonjunkturCHECK

Die britische Wirtschaft wächst derzeit am stärksten in der G7. Vor allem Konsum und Investitionen sind robust. Kurzfristig ist der Ausblick daher positiv, mittel- bis langfristig bremsen jedoch erhebliche Herausforderungen.

Maßnahmen durch Premier Burnham geben Zuversicht

Mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute, darunter OECD und ONS, haben im Herbst 2026 ihre kurzfristigen BIP-Prognosen angehoben. Ein Wachstumstreiber ist der private Konsum. Trotz weiterhin erhöhter Inflation legten die Konsumausgaben im zweiten Quartal zu. Rückenwind kommt von den steigenden realen verfügbaren Einkommen der Haushalte, die um 1 % zunahmen. Zudem versucht die neue Regierung unter Premierminister Andy Burnham, die Haushalte mit ersten Maßnahmen bei den Lebenshaltungskosten zu entlasten.

Inflation bereitet Sorgen

Hartnäckige Inflation

Die Inflation erweist sich als hartnäckiger als erhofft und lag bereits vor dem Ölpreisschock im Frühjahr 2026 deutlich über dem Ziel der Bank of England. Zwar zeichnete sich im Sommer zunächst eine leichte Entspannung ab: Die Teuerungsrate sank vorübergehend unter die Marke von drei Prozent. Doch diese Entwicklung erwies sich als nicht nachhaltig. Im Herbst zog die Inflation wieder an und überschritt erneut die Drei-Prozent-Schwelle.

Die Bank of England hält vorerst an ihrer abwartenden Haltung fest. Zentralbankchef Andrew Bailey machte allerdings deutlich, dass diese Geduld nicht unbegrenzt sei. Die Notenbank werde nicht tatenlos zusehen, sollte der Preisdruck auf hohem Niveau verharren und sich die Auswirkung der gestiegenen Energiepreise zunehmend in der Wirtschaft bemerkbar machen.

Besonders kritisch wären dabei sogenannte Zweitrundeneffekte: Wenn höhere Energiepreise nicht nur unmittelbar die Kosten in die Höhe treiben, sondern sich über steigende Löhne, höhere Produktionskosten und weitere Preisanpassungen dauerhaft in der Wirtschaft festsetzen, könnte die Inflation an Breite und Hartnäckigkeit gewinnen.

Druck der Bevölkerung

Die hohe Schuldenquote und das Defizit erhöhen den Druck, Ausgaben zu senken und die öffentlichen Finanzen zu stabilisieren.

Gleichzeitig erwartet die Bevölkerung weiterhin staatliche Unterstützung, besonders im Sozialbereich. Die Regierung muss daher Einsparungen mit den gesellschaftlichen Erwartungen vereinbaren.

Schwierige Aufgabe für die Regierung

Die Finanzpolitik steht vor einer Gratwanderung: Sie muss Schulden und Defizit begrenzen, ohne wichtige staatliche Leistungen und Vorhaben zu stark zu kürzen.

Steigende Staatsanleiherenditen erschweren dies zusätzlich, da sie die Kreditkosten erhöhen und den finanziellen Spielraum des Staates einschränken. Ziel ist es daher, stabile Finanzen und politische Handlungsfähigkeit zu vereinen.

Großbritanniens Stärken        

Problempunkte in Großbritannien

  • hohe F&E-Tätigkeit (Forschung und Entwicklung)
  • Auswirkungen Brexit (FDIs, Arbeitsmarkt ...)
  • lebhafte Start-Up-Szene
  • hohe private und öffentliche Verschuldung
  • bestens entwickelter Kapitalmarkt
  • hohe Lebenshaltungskosten
  •  London als globales Finanzdrehkreuz                                    
  •  relativ große Ungleichverteilung der Vermögen und Einkommen
  • wenig regulierte Märkte
  •  politische und soziale Spannungen / Abspaltungsbestrebungen
  • hohe Geburtenrate
  •  Stadt-Land-Gefälle
  • Weltsprache Englisch
  • Anfälligkeit für Finanzkrisen
  • flexibler Arbeitsmarkt
 
  • exzellente Universitäten, die Innovation vor allem auch im Tech- und KI-Bereich befeuern 
 

Erstellerin: Mag. Bettina Hametner, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG
Redationsschluss: 30. September 2026

Quellen:

ONS (Oktober 2026), OECD (Oktober 2026), EU-Kommission (Mai 2026), Bloomberg (Oktober 2026), boerse-live.at (Juli 2026), Bank of England (Oktober 2026), OeNB (Oktober 2026)

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