Kroatien Altstadt Meer Häuser
© Feng Wei Photography
Kroatien - Inseln, Meer und Euro

Kroatien zählt seit Jahren zu den beliebtesten Urlaubsländern der Österreicher:innen. Obwohl der Tourismus viel Geld in die Kassen spült, verliert das Konjunkturwachstum nun an Tempo. Mehr dazu im Ländercheck von Volkswirtin Bettina Hametner.

Eine der dynamischsten EU-Volkswirtschaften

Trotz einer erwarteten Abschwächung bleibt die kroatische Wirtschaft auf Wachstumskurs. Im europäischen Vergleich zählt Kroatien weiterhin zu den Ländern mit einer dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung. Nach mehreren Jahren mit Wachstumsraten von mehr als drei Prozent dürfte sich die Expansion jedoch etwas verlangsamen.

Daten, Fakten, Zahlen

Mehr als Meer: Aktive Start-up Szene

Kroatien entwickelt sich zunehmend zu einem Standort für Informations- und Kommunikationstechnologie. Besonders in den Städten entstehen immer mehr Technologieunternehmen und junge Start-ups. Bekannte kroatische Unternehmen zeigen, dass das Land nicht nur vom Tourismus lebt, sondern auch im Technologiesektor international erfolgreich ist. 

Allerdings kämpft das Land darum, diese qualifizierten Fachkräfte in Land zu halten und auch die allgemeine Beschäftigungsquote liegt unter dem OECD-Durchschnitt, insbesondere bei Jugendlichen und älteren Erwachsenen.

Privater Konsum ist wichtiger Wirtschaftsfaktor

Die Binnennachfrage bleibt der wichtigste Wachstumsmotor der kroatischen Wirtschaft. Vor allem der private Konsum entwickelt sich positiv, da mehr Menschen beschäftigt sind und die Reallöhne steigen. Ab 2027 dürfte sich die Dynamik jedoch etwas abschwächen: Das Lohnwachstum wird voraussichtlich geringer ausfallen als in den vergangenen Jahren, während die Inflation die Kaufkraft der Haushalte weiterhin belastet.


Obwohl der Tourismus wichtige Einnahmen generiert, wirken die Nettoexporte dämpfend auf das Wirtschaftswachstum. Die steigende Nachfrage von privaten Haushalten und Unternehmen führt zu höheren Importen von Waren und Dienstleistungen. Dadurch fällt der Beitrag des Außenhandels zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) geringer aus und das Wachstum wird gebremst.

Ausgabenkürzung im öffentlichen Sektor

Auch die Investitionen nehmen weiter zu, allerdings langsamer als bisher. Öffentliche Investitionen profitieren weiterhin von EU-Fördermitteln. Unternehmen könnten aufgrund der globalen Unsicherheiten bei neuen Investitionen vorsichtiger werden.

Da das Budgetdefizit fast die Maastricht-Grenze von drei Prozent erreicht hat, will die Regierung ihre Ausgaben besser kontrollieren. Deshalb werden unter anderem Ausgabenkürzungen und ein Einfrieren der Beamtengehälter diskutiert.

Kroatiens Stärken        

Problempunkte in Kroatien

  • Impulse aus EU-/Euro- und Schengen-Beitritt
  • kleines Binnenmarktvolumen
  •  gut ausgebildete Arbeitskräfte
  • schwelende Gefahr rückläufiger Wettbewerbsfähigkeit
    speziell im Dienstleistungsbereich
  • Infrastruktur (Autobahnen, Häfen)
  • Reformstau und ineffiziente Verwaltung
  •  Tourismus                               
  • schwache Kaufkraft
  • starke aufstrebende IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie) 
    und Start-up-Szene
  •  Braindrain/Emigration/Fachkräftemangel
 
  • übermäßige Exponiertheit für Wetterextreme (Hitze, Dürre)

Erstellerin: Mag. Bettina Hametner, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG
Redationsschluss: Juli 2026

Quellen:

OECD (Juni 2026), IWF (April 2026), Bloomberg (Juli 2026), boerse-live.at (Juli 2026), EZB (Juli 2026), OeNB (Juli 2026);

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