Bruecke ueber Fluss_Slowenien
Slowenien: Robuste Wirtschaft mit strukturellen Herausforderungen

Das Land befindet sich in einem wirtschaftspolitischen Kurswechsel: Im Juni 2026 löste die rechtskonservative Regierung unter Janez Janša die linksliberale Regierung von Robert Golob ab. Welche Herausforderungen auf die neue Regierung warten, weiß Volkswirtin Bettina Hametner.

Gute Ausgangslage, aber steigende Kosten

Grundsätzlich hat sich die slowenische Wirtschaft während der Aneinanderreihung der letzten globalen Schocks sehr resilient gezeigt. In der Wirtschaft überwiegt weitgehend Optimismus, kritische Stimmen gibt es hinsichtlich der Finanzierbarkeit der Pläne der neuen Regierung.

Daten, Fakten, Zahlen

Reform-Agenda soll Sloweniens Wettbewerbsfähigkeit stärken

Als Reaktion auf die Kritik der Unternehmen an staatlichen Eingriffen und hohen Arbeitskosten hat die neue slowenische Regierung einen umfassenden Maßnahmenkatalog vorgelegt.

Darauf stehen: steuerliche Entlastungen, Bürokratieabbau, Flexibilisierungen am Arbeitsmarkt um den Fachkräftemangel zu lindern, Anreize für Investitionen in Forschung und Entwicklung, Digitalisierung und Automatisierung sowie Beschleunigung bei der Umsetzung von Infrastruktur- und Energieprojekten.

Der Optimismus nach dem Regierungswechsel unterstützt die Konjunkturentwicklung. Diese könnte sich kurzfristig positiv entwickeln, wenn auch die hohen Energiepreise nachlassen.

Ein großes Problem ist hingegen der Fachkräftemangel. Er führt zu steigenden Löhnen und damit auch zu höherer Inflation. Besonders der Dienstleistungssektor leidet unter den hohen Kosten.

Gute Beschäftigung und Löhne treiben Konjunktur

Die Nachfrage der privaten Haushalte mausert sich zum wichtigsten Konjunkturtreiber, gestützt durch hohe Beschäftigung und anhaltend guten Lohnsteigerungen.

Die steigende Inflation belastet zwar die Kaufkraft, dürfte die Konsumlaune aber vorerst kaum beeinträchtigen.

Private und öffentliche Investitionen

Die Investitionen bleiben ein wichtiger Wachstumstreiber. Öffentliche Investitionen dürften durch EU-Projekte und den Wiederaufbaufonds hoch bleiben.

Bei privaten Unternehmen bremsen hohe Kosten und Risiken die Investitionen, während der Regierungswechsel für neuen Optimismus sorgt.

Sloweniens Stärken        

Problempunkte in Slowenien

  • freundliches Umfeld für Unternehmensneugründungen
  • relativ hohes Lohnniveau und -nebenkosten
  • hohe Ausgaben für F&E
  •  Standort verliert schleichend an Wettbewerbsfähigkeit
  •  innovationsfreudiger Mittelstand
  •  geringe politische Stabilität
  •  gut ausgebildete Arbeitskräfte                               
  •  sehr kleiner Binnenmarkt
  • gute Transportinfrastruktur (wie etwa der Hafen Koper)
  •  Fachkräftemangel
  •  starker Exportsektor (Pharma oder Fahrzeugindustrie)
  • geringe Energieeffizienz
  •  geringe private Verschuldung
 
  •  Euro
 
  •  Zugriff auf hohe EU-Fördermittel
 

Erstellerin: Mag. Bettina Hametner, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG
Redationsschluss: Juni 2026

Quellen:
OECD (Juni 2026), EU-Kommission (Mai 2026), Bloomberg (Juli 2026), boerse-live.at (Juli 2026), EZB (Juli 2026), OeNB (Juli 2026

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