Mann mit weißem Bart sieht in Kamera
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KI und das Jevons-Paradoxon

Die Sorge, KI könne den Menschen ersetzen, ist weit verbreitet. Das Jevons-Paradoxon könnte diese Angst nehmen: Es besagt, dass eine neue Technologie, die den Einsatz einer Ressource reduziert, durch eine erhebliche Steigerung der Nachfrage nach dem dann üppiger und kostengünstiger verfügbaren Endprodukt insgesamt zu einem höheren Gesamtverbrauch eben dieser Ressource führen kann.

Wie uns das Jevons-Paradoxon die Angst vor KI nehmen könnte

Die Diskussion über Künstliche Intelligenz wird häufig von einer zentralen Sorge begleitet: Wenn Maschinen immer mehr Aufgaben übernehmen können, wird der Mensch dann überhaupt noch gebraucht? Um diese Frage zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf ein wirtschaftswissenschaftliches Phänomen, das bereits vor mehr als 150 Jahren beschrieben wurde: das Jevons-Paradoxon.

Das Jevons-Paradoxon - historische Beispiele

Je effizienter eine Ressource, desto größer die Nachfrage

Der britische Ökonom William Stanley Jevons stellte fest, dass technische Effizienzsteigerungen nicht zwangsläufig zu einem geringeren Verbrauch von Ressourcen führen.

Im Gegenteil:  Jevons beobachtete im 19. Jahrhundert, dass eine Steigerung der Effizienz bei der Energieerzeugung von Kohle eher den Verbrauch erhöhte als verringerte. Man fand einen Weg mit weniger Kohleeinsatz mehr Energie zu erzeugen, was den Preis für Energie senkte. Dies führte schließlich dazu, dass soviel mehr Energie nachgefragt wurde, dass der Kohleverbrauch insgesamt – trotz effizienterem Einsatz – stieg, nicht sank. Eine Beobachtung, die sich im Laufe der Geschichte wiederholte und die nun auch auf die Entwicklungen hinsichtlich KI eintreffen könnten.

Jevons-Paradoxon anhand "Umstieg auf Hybrid-Autos":
Ein besonders anschauliches Beispiel dafür warum höhere Effizienz nicht zwangsläufig zu einem geringeren Ressourcenverbrauch führt, ist die Nutzung von Hybrid-Autos anstatt "herkömmliche" Autos.
 

Nach einer rein technischen Betrachtung:
- sinken zwar die Kosten und
- die Fahrten werden deutlich günstiger
ABER:
- die Nutzung nimmt insgesamt zu, da das Autofahren attraktiver wird
- der Gesamtverbrauch sinkt weniger als erwartet oder steigt sogar

Grafik KI Beispiel Auto
Jevons-Paradoxon Beispiel Hybrid Motoren, Quelle: cfo.university

Blick in die Zukunft

Ausweitung anstatt Verkleinerung

KI macht viele Tätigkeiten schneller, einfacher und kostengünstiger. Texte können innerhalb von Sekunden erstellt, Datenmengen analysiert und Prozesse automatisiert werden, die bisher viel Zeit und Personal erforderten.

Auf den ersten Blick entsteht daraus die Befürchtung, dass weniger Menschen benötigt werden. Das Jevons-Paradoxon legt jedoch eine andere Entwicklung nahe.

Wenn die Kosten für bestimmte Aufgaben sinken, werden diese Aufgaben häufiger durchgeführt. Unternehmen können mehr Projekte umsetzen, neue Dienstleistungen anbieten und zusätzliche Märkte erschließen. Tätigkeiten, die bislang wirtschaftlich nicht sinnvoll waren, werden plötzlich möglich. Die Folge ist oft eine Ausweitung wirtschaftlicher Aktivität statt einer Verkleinerung.

KI in der Medizin: gesünder und weniger Kosten

Ärzte müssen viel Zeit für Dokumentation, Befundauswertung, Recherche oder administrative Aufgaben aufwenden. KI kann viele dieser Tätigkeiten heute erheblich beschleunigen. Wenn Ärzte durch KI mehr Zeit für Patienten haben, können sie mehr Patienten behandeln und präzisere Diagnosen stellen, zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen anbieten oder chronische Erkrankungen intensiver überwachen.
 

Gleichzeitig werden medizinische Leistungen durch KI günstiger und leichter verfügbar. Dadurch steigt die Nachfrage. Menschen lassen sich häufiger untersuchen, nutzen digitale Gesundheitsangebote oder nehmen präventive Leistungen in Anspruch, welche die Gesundheitskosten für den Staat reduzieren.

Das Jevons-Paradoxon und die Angst um Arbeitsplätze

Zwar wird KI Arbeitsabläufe verändern und manche Tätigkeiten überflüssig machen. Auch im Zusammenhang mit KI könnten sich historische Muster wiederholen, bei denen technologische Fortschritte zwar bestehende Tätigkeiten verändern, zugleich aber neue Aufgabenfelder, Berufe und wirtschaftliche Möglichkeiten entstehen lassen.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob KI den Menschen ersetzt. Die entscheidende Frage ist, wie wir die neuen Möglichkeiten nutzen, die durch diese Technologie entstehen. Wenn die Geschichte und das Jevons-Paradoxon eines lehren, dann dies: Fortschritt hat bisher nicht zu weniger menschlicher Bedeutung geführt – sondern zu neuen Formen menschlicher Wertschöpfung.

AI Fragezeichen Wuerfel

Ersteller: Andrea Raab, Bettina Hametner, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG
Redationsschluss:
12. Juni 2026
Quelle: cfo.university

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16.06.2026 - Geldanlage Plus, Volkswirtschaft