Indien, Frau tanzt vor Taj Mahal
Indien: stärkstes Wachstum der G-20

Indien etabliert sich als die am stärksten wachsende Volkswirtschaft der G-20 Länder. Ende Jänner 2026 schloss es mit der EU ein Freihandelsabkommen ab. Welches Potenzial hat das bevölkerungsreichste Land der Welt?

Zwischen Aufschwung und großer Armut

Das am 27. Januar 2026 verkündete Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien (EU-India Trade and Investment Agreements) soll ein historischer Schritt zur Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen sein. Es sieht vor, die Zölle auf über 96,6 Prozent der EU-Warenausfuhren nach Indien schrittweise zu senken. Damit will man den Handel verdoppeln, Investitionen erleichtern und wichtige Sektoren wie Maschinenbau oder Chemie fördern.

Daten, Fakten, Zahlen

Top bei hochqualifizierten Exporten

Der mittelfristige Ausblick ist rosig, denn Indien weiß sich in neuen Wachstumssektoren gut zu positionieren. Es gewinnt weltweit Marktanteile bei hochqualifizierten Exporten wie IT-Dienstleistungen, mobiler Kommunikation, Pharmazeutika sowie Spezialmaschinen. Dazu ziehen digitale Start-ups erhebliche Mittel in die Wirtschaft, die BIP- und Jobwachstum fördern. Der Output des sehr großen Agrarsektors unterliegt starken Schwankungen, da er in hohem Maße von den Wetterbedingungen abhängt.

Inflation niedriger - aber volatil
Niedrigere Lebensmittelpreise dank guter Ernten, moderatere Energiepreise und Steuersenkungen drückten die Inflationsrate 2025 deutlich nach unten. Die Inflationsrate ist aufgrund des hohen Anteils der Lebensmittel- und Energiepreise (sie machen zusammen mehr als 50 Prozent des Warenkorbes aus) sehr schwankungsanfällig. Die Kernrate pendelt bei rund 4 Prozent. Das derzeit vergleichsweise niedrige Inflationsumfeld erlaubt eine lockerere Geldpolitik, was die sehr lebhafte Nachfrage weiter untermauert. Die Notenbank spricht derzeit von leichtem, aber überschaubarem Preisdruck durch Kosten und Löhne.

Stark bei Maschinenbau, Finanzen und Handel

Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe wächst stetig dank robuster Nachfrage nach Investitionsgütern und wachsenden Exporten von Maschinenbauprodukten. Auch der Dienstleistungssektor liefert einen erheblichen Beitrag zum BIP-Wachstum, besonders hervor hebt sich die gute Entwicklung in den Bereichen Finanzen, Handel, Transport und Informationstechnologie. Frühindikatoren zeigen Optimismus und deuten auf eine anhaltend starke Industriekonjunktur und sich verbessernde Arbeitsmarktbedingungen hin, mit steigender Erwerbsbeteiligung und Beschäftigungsquoten.

Konsum wichtigster Wachstumsmotor

Der private Konsum ist aktuell der wichtigste Wachstumsmotor, auch der öffentliche Sektor leistet einen positiven Beitrag.

Die Investitionsnachfrage wird im privaten Sektor durch lockerere Finanzierungsbedingungen und anhaltende (nötige) öffentliche Investitionsausgaben (Infrastruktur) belebt.

Indiens Stärken        

Problempunkte in Indien

  • Humankapital
  • Infrastruktur
  • Englisch als Amtssprache
  • Probleme bei Energieversorgung
  • riesiger Binnenmarkt
  •  hohe Armut / immense Schere zwischen Arm und Reich
  • diversifizierter Produktions- und immer mehr auch Dienstleistungssektor                                         
  •  Abhängigkeit von ausländischem Kapital
  • konsumfreudige wachsende Mittelschicht
  •  lange Amtswege
  •  niedriges Lohnniveau
  •  riesiger klimaabhängiger Agrarsektor
  • Reformbewusstsein und erste Erfolge (allerdings teilweise überaus träge Umsetzung)
  • Importabhängigkeit bei Rohstoffen und Energie
  • politische Stabilität
  • großer informeller Sektor
 
  • starre soziale Strukturen

Redationsschluss: Jänner 2026

Quellen:

IWF (Oktober 2026), HSBC (Jänner 2026), Bloomberg (Jänner 2026), boerse-live.at (Jänner 2026), Indische Zentralbank (Jänner 2026), OeNB (Jänner 2026); 

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