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© Westend61 / Katharina Mikhrin
Wer sind die Preistreiber in Österreich?

Erhöhte Inflation schwächt die Kaufkraft der Haushalte, bremst den Konsum und frisst Wohlstand. Welche Produkte und Dienstleistungen aktuell das Leben teurer machen, analysiert Volkswirtin Bettina Hametner.

Inflationsanalyse Österreich

Neben kurzfristigen Preisanstiegen durch Krisen – vor allem bei Energie und Rohstoffen – bleiben in Österreich auch viele Dienstleistungen dauerhaft teurer. Die Energiepreise steigen derzeit zwar weniger stark als 2022, bremsen aber weiterhin den Rückgang der Inflation.

Treibstoff und Dienstleistungen

Rückblick: mit 2021 stieg die Inflationsrate

Nach einer längeren Phase mit niedriger Inflation, die sogar unter dem Ziel der EZB lag, begannen Mitte 2021 die Preise in Österreich stärker zu steigen. Durch den Energieschock als Folge des Ukrainekriegs gab es zur Jahreswende 2022/2023 sogar Inflationsraten von über 11 Prozent. Ausgehend von diesem hohen Ausgangswert sank die Inflation 2023 wieder, blieb aber deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent. 

Preistreiber blieben durchwegs die Dienstleistungen, einerseits aufgrund ihres hohen Anteils im Warenkorb, andererseits wegen hoher Arbeitskräfteintensität in Kombination mit hohen Lohnzuwächsen. 

Aktueller Inflationsschub 2026
Mitte März 20206 prognostizierte die OeNB - basierend auf aktuellen Markterwartungen - einen nur vorübergehenden Inflationsanstieg, vorwiegend verursacht durch die infolge des Irankriegs gestiegenen Energiepreise. Dieses Mal trägt Dieseltreibstoff mit 0,4 Prozentpunkten am meisten zur aktuellen Inflationsrate (VPI) von 3,2 Prozent bei. Wohnungsmieten tragen 0,2 Prozentpunkte und Superbezin trägt 0,1 Prozentpunkte zur Teuerung bei. Ohne die Teuerung bei Treibstoffen und Heizöl läge die Inflationsrate im März bei 2,2 Prozent

Wer sind die Preisstreiber in Österreich?
Quelle: Prognose OeNB März 2026
Warenkorb_Oesterreich
Quelle: Statistik Austria
Der österreichische Warenkorb - was ist drin? Wer bestimmt?

Betrachtet man die größten Gruppen im Warenkorb, tragen weiterhin vor allem die Dienstleistungen zur Inflation bei. Sie machen wegen ihrer anhaltend hohen Preissteigerungen und ihres großen Anteils am Warenkorb rund 1,5 Prozentpunkte der Gesamtinflation aus.


Wie wird das gewichtet?

Die österreichische Statistikbehörde Statistik Austria erhebt regelmäßig das Konsumverhalten der durchschnittlichen österreichischen Haushalte. Auf dieser Grundlage wird festgelegt, wie stark einzelne Produkte und Dienstleistungen im Warenkorb gewichtet werden. Die genaue Gewichtung kann man dort bis auf Produktebene nachlesen.

Der Warenkorb wird laufend angepasst. Meist verändern sich die Gewichtungen nur langsam, sie zeigen aber interessante gesellschaftliche Entwicklungen. Das Konsumverhalten der Menschen in Österreich verändert sich mit der Zeit – und damit auch die Zusammensetzung des Warenkorbs.

Bei der letzten Konsumerhebung sank zum Beispiel die Gewichtung von Freizeit, Sport und Kultur von 11,2 Prozent im Jahr 2025 auf 10,0 Prozent im Jahr 2026. Gleichzeitig stieg der Anteil von Information und Kommunikation von 1,9 Prozent im Jahr 2025 auf 3,7 Prozent im Jahr 2026.

Österreich teuert schneller als der Eurozonen-Schnitt


Gerade 2025 lag die Inflation in Österreich deutlich über der des Euroraums. Verantwortlich dafür waren mehrere österreich‑spezifische Faktoren wie das Auslaufen preisdämpfender Maßnahmen (zum Beispiel bei der Energie). Langfristig verstärken vor allem teure Dienstleistungen den Unterschied zum Euroraum. Seit 2026 verkleinert sich der Abstand wieder, da die Wirkung von Einmaleffekten wegfällt und der Energiepreisschock infolge des Irankrieges in Österreich und der Eurozone als Ganzes ähnlich wirkt.


Eine über längere Zeit höhere Inflation als im Euroraum verschlechtert die preisliche Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen - insbesondere in export‑ und tourismusnahen Sektoren. Dazu nimmt die Unsicherheit hinsichtlich Investitionen zu, da Kosten und Preise schwerer planbar sind. Dies wirkt sich negativ auf das langfristige Wachstumspotenzial der Wirtschaft aus.

Für das zweite Halbjahr 2026 geht man allerdings im Basisszenario davon aus, dass sich die Ölpreise wieder auf dem Niveau von Anfang 2026 einpendeln und der Gaspreis nicht mehr weiter steigt. Tritt dies ein, könnte sich die Inflation bis 2028 wieder auf knapp über 2 Prozent zurückbilden.

Frau von hinten hält Europa-Fahne über ihre Schulter

Ersteller: Mag. Bettina Hametner, Petra Putschögl, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG
Redationsschluss:
28. April 2026
Quellen: IHS, OeNB, Eurostat, Statistik Austria, Prognosen IWF April 2026, IWF WEO

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