Ungarn Budapest Burg und Brücke im Abendrot
© Sasipa Muennuch
Ungarn - Hoffen auf ein wirtschaftliches Comeback.

Die Ungarn haben am 12. April 2026 ein neues Parlament gewählt. In der Länderanalyse geht Volkswirtin Bettina Hametner darauf ein, wie das Land nach 16 Jahren Orbán-Regierung wirtschaftlich aufgestellt ist.

Ländercheck Ungarn

Mit dem Machtwechsel in Ungarn hofft man nach der strukturellen wirtschaftlichen Aushöhlung während der langen Orban-Ära nun auf ein wirtschaftliches Comeback. Man steht am Beginn des Weges, wie gut und schnell die neue Regierung die vielen Herausforderungen meistert und Reformen umsetzen kann, wird sich idealerweise in den nächsten Quartalen zeigen. 

Daten, Fakten, Zahlen

Orientierung Richtung EU

Vor allem geht es um eine stärkere Ausrichtung hin zu den EU-Partnern: Umfangreiche, derzeit eingefrorene EU-Mittel warten auf ihre Freigabe, die Einführung des Euro soll wieder thematisiert und das Vertrauen in staatliche Institutionen gestärkt werden. Das bei der Wahl gezeigte Bekenntnis zu demokratischen Strukturen soll zudem die Sicherheit von Unternehmern und Konsumenten erhöhen und dadurch spürbare Nachfrageimpulse auslösen.

Inflation auf hohem Niveau
Die Inflationsrate liegt seit Jahren auf einem zu hohen Niveau, auch wenn sie nach Werten von nahezu 20 Prozent in den Jahren 2022/23 inzwischen deutlich zurückgegangen ist. Neben globalen Preisschüben waren vor allem populistische staatliche Maßnahmen sowie importierte Inflation infolge der starken Abwertung des Forint für die hohe Inflationsdynamik verantwortlich.

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EU-Mittel dringend benötigt

Große Hoffnungen ruhen darauf, dass die während der Regierung von Viktor Orbán von der EU eingefrorenen Fördermittel für kofinanzierte Projekte in Höhe von rund 17 Milliarden Euro wieder freigegeben werden – ein zentrales Thema des Wahlgewinners Peter Magyar. Die Mittel sollen unter anderem für die dringend notwendige Modernisierung der maroden Infrastruktur eingesetzt werden.

Auf diesen umfangreichen, bereits in der Pipeline befindlichen EU-Geldern basiert auch die zentrale Hoffnung auf eine wieder anziehende Konjunktur – sowohl direkt durch zusätzliche Nachfrageimpulse als auch indirekt durch verbesserte Rahmenbedingungen und gestärktes Vertrauen, das Investitionen und Unternehmertum fördert und damit langfristig die wirtschaftliche Basis stärkt.

Wirtschaftsforscher schätzen, dass allein die Freigabe und damit die wieder mögliche Nutzung der zugesagten EU-Mittel bis 2030 jährlich bis zu 0,7 Prozentpunkte zusätzliches BIP-Wachstum bringen könnte.

Ungarns Stärken        

Problempunkte in Ungarn

  • gut ausgebildete Arbeitskräfte
  •  politische Willkür und Intransparenz sowie staatliche Eingriffe führten zu erheblichem Vertrauensverlust im Land sowie bei internationalen Geschäfts- und Handelspartnern
  •  stark aufgestellte Zuliefer- und Assemblingindustrie
  • hohe Staatsschuldenquote
  •  potenzielle Möglichkeit zum Abruf hoher EU-Fördermittel
  • Fachkräftemangel, starker Fokus auf wenige Industriezweige
  • grundsätzlich gute KMU-Struktur und Unternehmertum                                        
  •  Abhängigkeit von Energieimporten
  • politischer Regimewechel gibt Hoffnung
  • hohe Exportabhängigkeit
 
  • Wechselkursschwankungen
   

Ersteller: Mag. Bettina Hametner, Petra Putschögl, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG
Redationsschluss:
16. April 2026
Quellen: IWF (April 2026), EU-Kommission (November 2025), Bloomberg (April 2026), boerse-live.at (April 2026), Ungarische Nationalbank (April 2026), OeNB (April 2026)

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