Junge und alte Frau umarmen
© Oliver Rossi
Österreichs Pensionssystem im Check - gut, aber auf lange Sicht zu teuer

Im internationalen Vergleich ist Österreich außerordentlich großzügig zu Pensionist:innen. Dadurch ist Altersarmut geringer, die Kosten für den Staat sind jedoch hoch. Volkswirtin Bettina Hametner unterzieht das österreichische Pensionssystem einer Analyse.

Es bedarf Reformen

Im Mai 2026 veröffentlichte der Internationale Währungsfonds (IWF) einen neuen Länderreport für Österreich. Hier attestiert der IWF dem Doppelbudget zu wenige langfristige Elemente. Vor allem im Bereich der Alterssicherung müsse Österreich Reformen angehen, um das System zu stabilisieren.

Für das Problem des demografischen Wandels und den damit verbundenen Kosten nennt der IWF drei konkrete Punkte: Österreich muss die Anreize zum vorzeitigen Pensionsantritt reduzieren, das gesetzliche Pensionsantrittsalter erhöhen und die Nettoersatzrate in der Pension senken

Das österreichische Pensionssystem im Vergleich

Stärken und Schwächen des Systems

Das hauptsächlich umlagenbasierte Pensionssystem ist schon lange in Diskussion - vor allem, wie es angesichts des demografischen Wandels auf nachhaltige Beine gestellt werden kann.

In Österreich machen Pensionen gut 15 Prozent des gesamten Bundesbudgets (2025: ca. 75 Mrd. Euro) aus. Um die langfristige Stabilität zu sichern, besteht erheblicher Reformbedarf, insbesondere bei der Förderung kapitalgedeckter Elemente und der Verbesserung der Anreize zur privaten und betrieblichen Vorsorge. Punkte, wo man sich möglicherweise etwas von anderen Staaten abschauen kann.


Für umfassende Vergleiche sollte eine breite Palette an Kriterien herangezogen werden: Angemessenheit, Nachhaltigkeit, Erschwinglichkeit, Gleichheit,  Kapitaldeckung und Finanzierbarkeit.
 

Überzeugen kann das österreichische Pensionssystem insbesondere durch hohe Leistungen und breiter Abdeckung. In Sachen Kapitaldeckung, Rendite, Innovationsförderung und Nachhaltigkeit hinkt Österreich im internationalen Vergleich hingegen deutlich nach. 

Quelle: ECO Austria, OECD, IWF
Der demografische Wandel schlägt zu

Im internationalen Vergleich ist Österreich mit einer Nettoersatzrate von 87 Prozent außerordentlich großzügig zu seinen Pensionist:innen. Der OECD-Schnitt liegt bei 63 Prozent, in Deutschland beträgt dieser Wert 53 Prozent. Zwar ist dafür die Altersarmut in Österreich ein viel geringeres Problem, doch die Überalterung macht sich wesentlich stärker im öffentlichen Haushalt bemerkbar.

Ein weiterer Punkt, bei dem der IWF einhakt: Weniger staatliche Pension führt zu mehr privater Vorsorge. Ein Trend in diese Richtung würde nicht nur die öffentlichen Finanzen entlasten, sondern die Menschen zu mehr privater Vorsorge animieren. 

Davon würde auch der Kapitalmarkt profitieren: Mehr Geld am Kapitalmarkt bedeutet mehr Kapital für Unternehmen, was Wachstum, Arbeitsplätze und Wohlstand fördern kann. Gleichzeitig könnten zukünftige Pensionistinnen und Pensionisten von höheren langfristigen Renditen profitieren. Dadurch würden sowohl die Wirtschaft als auch die Menschen im Alter profitieren.

Fazit und Ansätze

Bei den Ersatzraten schneidet Österreich sehr gut ab und hat vergleichsweise eine geringe Armutsgefährdung. Die hohe Breitenabdeckung ist ebenso positiv hervorzuheben. Außerdem steigt in Österreich die dank des hohen Wohlstands und guter Gesundheitsversorgung sowieso schon hohe Lebenserwartung weiter an. Dies ist grundsätzlich eine sehr positive Entwicklung - allerdings teuer für ein überwiegend staatlich finanziertes, auf Umlagebasis aufgebautes Pensionssystem.

Mehr Eigenverantwortung ist gefragt
Genau hier setzt die Mehrheit der Reformrufe an: Wir müssen einen größeren Teil unseres immer längeren Lebens im produktiven Arbeitsleben verbringen und uns bei den Pensionszahlungen nicht ausschließlich auf den Staat verlassen. Mehr Eigenverantwortung für ein längeres Arbeitsleben mit mehr privater Vorsorge am Kapitalmarkt.

Im Vergleich zu Ländern wie Schweden, Dänemark oder den Niederlande, die stärker auf kapitalgedeckte Pensionssysteme setzen, schneidet Österreich vor allem bei Nachhaltigkeit und Innovationskraft schwächer ab. Dort profitieren nicht nur die Menschen von höheren Renditen ihrer Pensionsvorsorge, sondern auch der Staat von größerer finanzieller Stabilität. Gleichzeitig fließt durch verstärktes privates Pensionssparen mehr Kapital in die Wirtschaft: Unternehmen können dadurch stärker investieren und so langfristig Produktivität, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit sichern.


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Ersteller: Mag. Bettina Hametner, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG
Redationsschluss:
15. Mai 2026
Quellen: ECO Austria, OECD, IWF, OECD Pensions at a Glance 2025, Valida/Wiener Zeitung

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