© Wiener Börse/Nik Pichler
Happy Birthday, ATX!

Er gilt als wichtiger Gradmesser für die Entwicklung des heimischen Kapitalmarkts. 35 Jahre nach seinem Start im Jahr 1991 blickt die Wiener Börse auf die Entwicklung des ATX zurück. Beachten Sie: Veranlagungen in Wertpapiere können mit Risiken verbunden sein.

Der heimische Leitindex im Fokus

Das Jahr 1991 brachte nicht nur Filmklassiker wie „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ oder „Das Schweigen der Lämmer“ hervor. Am 13. Mai 1991 wurde auch der Austrian Traded Index (ATX) ins Leben gerufen. Während die Filme längst Kultstatus genießen, hat sich der österreichische Leitindex ebenfalls zu einer festen Größe am Kapitalmarkt entwickelt. 

ATX und ATX Total Return im Vergleich

Während der ATX als Preisindex ausschließlich Kursveränderungen berücksichtigt, umfasst der ATX Total Return zusätzlich reinvestierte Dividenden und bildet damit die Gesamtrendite des Marktes ab. Dadurch ist er besser mit Performanceindizes wie dem deutschen DAX vergleichbar. 

 

Ein wesentlicher Teil der langfristigen Marktrendite resultiert aus Dividendenzahlungen. Für den österreichischen Aktienmarkt wird für das laufende Jahr eine Dividendenrendite von rund vier Prozent erwartet. Diese liegt über der erwarteten Rendite des europäischen Aktienmarkts (Euro Stoxx 50: rund drei Prozent) sowie jener des US-Markts (S&P 500: rund 1,1 Prozent).

Preis- versus Performanceindex

Während der Preis- bzw. Kursindex erst Ende 2025 seinen Höchststand aus dem Jahr 2007 übertreffen konnte, erreichte dies der Performanceindex bereits acht Jahre früher, also im Jahr 2017. Investor:innen, die seit Beginn der Indexberechnung durchgehend im ATX investiert waren, verzeichnen heute inklusive reinvestierter Dividenden eine knappe Verfünfzehnfachung ihres Kapitals.

Die durchschnittliche Jahresrendite inklusive Dividenden lag bei 7,95 Prozent pro Jahr. Dieses Beispiel zeigt, welchen Beitrag Dividenden und der Faktor Zeit zum langfristigen Vermögensaufbau leisten können. Dennoch sollten Anleger:innen die zwischenzeitlichen Schwankungen berücksichtigen, die an den Aktienmärkten teilweise erheblich ausfallen können.

Wie funktioniert die Zusammenstellung?

Der ATX umfasst die 20 führenden börsennotierten Unternehmen Österreichs, die nach klar definierten Kriterien wie Handelsumsatz und Streubesitzkapitalisierung ausgewählt werden. Eine Überprüfung erfolgt zweimal jährlich – im März und September. Bei der letzten Überprüfung im März kehrte die Palfinger AG nach 15 Jahren in den Leitindex zurück und ersetzte das Immobilienunternehmen CPI Europe AG (vormals Immofinanz AG). Drei Unternehmen haben es übrigens geschafft, seit Einführung des ATX ohne Unterbrechung im heimischen Leitindex vertreten zu sein. Dies sind OMV AG, Verbund AG und Wienerberger AG.


Welche Branchen sind im ATX vertreten?

Im Austrian Traded Index dominieren die Sektoren Finanzwesen (48 Prozent), Grundindustrie (30 Prozent), Industriegüter und Dienstleistungen (neun Prozent) sowie Versorger (sieben Prozent). Für die Entwicklung des Index ist entscheidend, wie stark einzelne Branchen gewichtet sind. Entwickeln sich bestimmte Sektoren besser als andere – etwa in den vergangenen Jahren das Finanzwesen – und sind entsprechend hoch gewichtet, wirken sie sich stärker auf die Gesamtperformance des Index aus.

ATX vs ATX Total Return Grafik
Quelle: Bloomberg, Juni 2026, Wertentwicklung in %. Bitte beachten Sie, dass die Wertentwicklung der Vergangenheit keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zulässt.
Ziegelwand mit Schriftzug Wienerberger
© Robert Oberbichler
Eines der ersten Unternehmen im ATX - Wienerberger; © Robert Oberbichler / Wienerberger AG
Ein Blick in die Geschichte

1771 gründete Maria Theresia die Wiener Börse zur staatlichen Kapitalaufbringung nach französischem Vorbild. Anfänglich lag der Fokus auf dem Handel mit Anleihen, Wechseln und Devisen. Für einen geordneten Ablauf sorgten Börsenmakler, auch Sensale genannt. Damit ist die Wiener Börse sogar älter als die New York Stock Exchange (NYSE), die 1792 gegründet wurde. 1818 war die Oesterreichische Nationalbank die erste Aktie am Kurszettel. Zu ihren frühen Aktionären zählte unter anderem Ludwig van Beethoven.

 

In den folgenden Jahren gewann die Wiener Börse aufgrund der Bedeutung der Habsburger-Monarchie zunehmend internationales Ansehen. Unternehmen aus den Bereichen Transport und Verkehr nutzten den Kapitalmarkt zur Finanzierung ihres Wachstums. Zwischen 1867 und 1873 erlebte die österreichisch-ungarische Monarchie einen gewaltigen Industrialisierungsschub. Es kam zu zahlreichen Börsengängen, vor allem von Banken, Eisenbahn- und Industrieunternehmen.
 

In diese Zeit fallen auch die Börsennotierungen der heutigen PORR AG und Wienerberger AG. Mit mehr als 150 Jahren Börsengeschichte zählen sie zu den ältesten noch börsenotierten Unternehmen Österreichs.

Die Aufs und Abs des ATX

Eine erste Spekulationswelle endete am 9. Mai 1873 mit dem Wiener Börsenkrach. In der Folge verschwand rund die Hälfte der Aktiengesellschaften vom Kurszettel. Eine weitere prägende Marktphase war die österreichische Aktienhausse der 1980er-Jahre. Ab 1985 sorgten stark steigende Kurse, wirtschaftspolitische Reformen und die Privatisierungswelle für Aufschwung. Zahlreiche bedeutende österreichische Unternehmen kamen damals an die Börse, darunter OMV AG (1987), Verbund AG (1988) und EVN AG (1989).

In den 2000er-Jahren folgte eine weitere Aufwärtsbewegung, die unter anderem von der wirtschaftlichen Öffnung Osteuropas getragen wurde. Die Hausse führte zu neuen Höchstständen, bevor die globale Finanzkrise ab 2007 die Kurse einbrechen ließ. Bis neue Höchststände erreicht wurden, sollten anschließend mehrere Jahre vergehen.

Straße führt auf Berg, Großglockner Hochalpenstraße
© Amith Nag
Immer wieder gab es Höhe- und Tiefpunkte für den ATX.

Ersteller: Martin Gangl, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG
Redationsschluss:
Juni 2026
Quelle: Bloomberg, Wiener Börse

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10.07.2026