schwarzer Hut, Geldregen,  Zauberstab
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Der einstige Magier der Fed ist 100!

Über 18 Jahre, von 1987 bis 2006, war Alan Greenspan Vorsitzender des Federal Reserve Board. Lange galt er als Star unter den Notenbankern. Als derjenige, der alles richtig machte, der "Maestro", wie seine Biografie tituliert wurde. Die Finanzkrise kratzte nach seiner Pensionierung an dieser Reputation.

Alan Greenspan feierte seinen 100. Geburtstag.

Der am 6. März 1926 geborene Alan Greenspan zeigte schon als Kind eine außergewöhnliche Begabung für Mathematik und Musik, sattelte aber nach dem Beginn eines Musikstudiums schließlich auf Volkswirtschaft um. Mit seiner Fähigkeit, riesige Zahlenkolonnen auszuwerten, treffend zu interpretieren und damit passende konjunkturelle Einschätzungen zu treffen, stieg er schnell zu einem wohlhabenden Wirtschaftsberater auf. 1987 übernahm er den Fed-Vorsitz von Paul Volcker und machte sich fortan insbesondere für die politische Unabhängigkeit der Notenbank stark. Außerdem war er überzeugt von den Selbstheilungskräften des Marktes und lehnte zu viel staatliche Regulierung ab. Zugänge, die bei Betrachtung der aktuellen Ausgestaltung der US-Wirtschaftspolitik fast revolutionär klingen.

Einer, der fast alles richtig zu machen schien...

Gebäude der Federal Reserve Bank
© Cameron Whitman

Nicht Clinton sondern Greenspan

Zu seinem Start musste er gleich mal in Bresche springen: Wenige Wochen nach seinem Amtsantritt erlitt der US Aktienmarkt seinen historisch größten Einbruch innerhalb eines Tages. Unter anderem durch rasche Liquiditätshilfen der Fed gelang es, die Auswirkungen abzumildern. Anfang der 1990er-Jahre ignorierte er den Wunsch des damaligen Präsidenten Bush auf niedrigere Leitzinsen: Nicht übermäßige BIP-Wachstumsraten sondern kontinuierlich niedrige Inflation sei der wichtigere Fokus einer Notenbank, so Greenspan. Und es gelang ihm, was viele kaum für möglich hielten: eine "weiche Landung" der US-Wirtschaft ohne große Rezession.

Die Medien nannten ihn den "Magier der Märkte". Nicht wenige meinten im Nachhinein, dass es Greenspan, nicht Clinton zu verdanken war, dass das letzte Jahrzehnt des letzten Jahrtausends als eines des kontinuierlichen Wachstums in die Geschichte einging.

Vom Magier zum Sündenbock

Greenspans Skepsis gegenüber wirtschaftspolitischen Markteingriffen war es möglicherweise, die ihn Anfang der 2000er-Jahre so lange davon abhielt, die Zinsen anzuheben. Er stellte zwar die später oft zitierte Frage in den Raum: "Wie erkennen wir, wann irrationale Überschwänglichkeit zu einer Eskalation der Vermögenswerte führt?" und war sich augenscheinlich der Gefahr der Blasenbildung bewusst, reagierte aber nicht, da er auf die gut im Zielband dahintümpelnde Verbraucherpreisinflation fokussiert blieb.

Schließlich platzte die Blase 2 Jahre nach seinem Abgang als Fed-Chef. Greenspan galt fortan als Sündenbock, der mit zu niedrigen Zinsen sehenden Auges die Finanzkrise verursacht hätte. Er äußert sich weiter, bis heute zur Wirtschaftspolitik, allerdings zurückhaltender.

Zu den Vorwürfen in Bezug auf die Finanzblase meinte er: "Wir können nur schwer Vorhersagen treffen. Wir tun so als könnten wir es. Aber in Wirklichkeit können wir es nicht".

Wirtschaftsentwicklung USA 1960-2025
Quelle: Federal Reserve Bank Atlanta, 10. März 2026
Aktentasche braun Mann Stufen
© 2010 Enzo D.
"Greenspeak" & "Aktentasche-Indikator"

Greenspan war während seines Fed-Vorsitzes ein Kapazunder der Wirtschaftspolitik. Äußerte er sich zur Wirtschaftslage, hörte die ganze Welt zu. Meist tat er dies allerdings nuschelnd und in zweideutiger Manier, dem sogenannten "Greenspeak".

Die Mehrdeutigkeit seiner Aussagen war oft dermaßen groß, dass an der Wallstreet nach seinen Reden anhand des "Aktentaschen-Indikators" eingeschätzt wurde, ob eine Leitzinssen kung bevorstand - war sie dicker als normal, dann anekdotisch ja.

Ersteller: Mag. Bettina Hametner, Petra Putschögl, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG
Redationsschluss:
12. März 2026
Quellen: Federal Reserve Bank Atlanta, 2026

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09.04.2026 - Geldanlage Plus, Volkswirtschaft